Tauchsafari im Roten Meer: Mit der Seawolf Steel zu Thistlegorm und Brothers
Wir saßen schon im Schlauchboot, die Flossen in der Hand, die Masken in die Stirn geschoben. Der letzte Tauchgang an den Brothers war vorbei, und der Longimanus, der uns zuvor immer wieder aus der Ferne beobachtet hatte, schien sich längst verabschiedet zu haben. Nur zwei von uns waren noch im Wasser. Und genau in diesem Moment kam er zurück. Ruhig, neugierig und ganz selbstverständlich zog der Weißspitzen-Hochseehai seine Kreise um unser Boot, als wollte er nachsehen, wer da eigentlich so lange in seinem Revier unterwegs gewesen war.
Es war der Moment, über den wir an Bord noch den ganzen Abend gesprochen haben. Aber der Reihe nach.

Ein Schiff fast für uns allein
Vom 29. November bis zum 6. Dezember 2025 waren neun Sharks eine Woche lang auf Tauchsafari im Roten Meer unterwegs. Unser Zuhause für diese Tage war die Seawolf Steel von Seawolf Safari. Für die meisten von uns war es nicht die erste Safari, für zwei aus der Gruppe aber schon, und die durften gleich erleben, wie schnell man sich an einen Alltag gewöhnt, der nur aus drei Dingen besteht: tauchen, essen, schlafen. So stand es jedenfalls auf dem Whiteboard im Salon, gleich neben dem Tauchplan des Tages.

Dazu kam ein echter Glücksfall. Ausgelegt ist das Schiff für rund 30 Gäste, doch weil keine andere Gruppe gebucht hatte, waren wir neun die einzigen Gäste an Bord. Die Seawolf Steel gehörte also eine Woche lang ganz uns. Mehr Platz auf dem Tauchdeck, kein Gedränge an der Plattform und eine Stimmung, die sich schon nach dem ersten Abend nach Vereinsheim auf hoher See anfühlte.
Einen großen Anteil daran hatten unser Tauchguide und die Crew. Sie haben sich so herzlich und aufmerksam um uns gekümmert, als wäre das Schiff bis auf den letzten Platz belegt, und haben den ganzen Aufwand für unsere kleine Gruppe mit einer Selbstverständlichkeit betrieben, die uns wirklich beeindruckt hat. Von den Briefings über das Essen bis zur Hilfe beim Ein- und Aussteigen: Wir haben uns die ganze Woche rundum wohlgefühlt.

Plan B heißt Norden
Eigentlich hatten wir die Südtour gebucht. Doch das Rote Meer hatte andere Pläne: Ein Wetterumschwung brachte kräftigen Wind und so viel Wellengang, dass an eine Fahrt in den tiefen Süden nicht zu denken war. Also hieß es umplanen. Wir blieben zunächst im Norden und fuhren erst später in der Woche zu den Brothers hinaus, die dafür umso länger auf dem Programm standen. Im Nachhinein war das alles andere als eine Notlösung.

Los ging es am Shaab el Erg und am Beacon Rock, und auf einer der Überfahrten tauchten neben dem Schiff sogar Delfine auf. Mit ihnen ins Wasser ging es diesmal zwar nicht, aber vom Deck aus war das schon ein ziemlich guter Auftakt. Danach ging es in die Straße von Tiran mit Thomas Reef, Jackson Reef und Gordon Reef. Steilwände voller Weichkorallen, bunte Rifffische ohne Ende und eine Schildkröte, die sich von uns kein bisschen stören ließ. Am Gordon Reef stand außerdem der erste Nachttauchgang der Woche an, bei dem das Riff im Lampenlicht noch einmal ein ganz anderes Gesicht zeigte.

Zwei Tauchgänge an der Thistlegorm
Nach Ras Mohammed mit Shark & Yolanda Reef wartete am nächsten Tag einer der berühmtesten Tauchplätze der Welt auf uns: die SS Thistlegorm. Der britische Frachter wurde 1941 von deutschen Bombern versenkt und liegt seitdem fast vollständig erhalten auf dem Grund. In seinen Laderäumen stehen bis heute Motorräder, Lastwagen und jede Menge Kriegsmaterial, an Deck liegen Lokomotiven, die eigentlich für Nordafrika bestimmt waren.
Wir haben uns gleich zwei Tauchgänge Zeit für das Wrack genommen und waren auch drinnen unterwegs. Durch die Laderäume zu gleiten und im Lampenlicht die Reihen von Motorrädern auftauchen zu sehen, ist einer dieser Momente, bei denen man unter Wasser kurz vergisst zu atmen. Zum Glück nur kurz.

Ab zu den Brothers
Dann endlich der Abstecher, auf den sich alle am meisten gefreut hatten. Die Brother Islands liegen mitten im Roten Meer, weit weg von der Küste, und sind bekannt für Steilwände, Strömung und Begegnungen mit dem Großen Blau. Zwei Tage lang haben wir dort getaucht, erst an Small Brother, dann an Big Brother.

Schon der erste Tauchgang am frühen Morgen an Small Brother hatte es in sich. Im Dämmerlicht tauchte ein junger Fuchshai auf, unverkennbar an seiner langen, sichelförmigen Schwanzflosse. Ein seltener Anblick, den wohl keiner von uns so schnell vergisst, zumal es für einige aus der Gruppe überhaupt die ersten Haie waren, die sie beim Tauchen zu Gesicht bekommen haben. Und als wäre das nicht genug, zogen tief unter uns Hammerhaie vorbei. Zwar ein gutes Stück weiter unten, aber mit ihren typischen Köpfen klar zu erkennen. An den Riffwänden selbst ging es kaum weniger lebendig zu: Wimpelfische, Napoleons, Juwelenbarsche und Flötenfische, so weit das Auge reichte. Und das alles bei einer Sicht, von der wir im Baggersee nur träumen können.


Big Brother und seine Wracks
Am nächsten Tag wechselten wir nach Big Brother. Neben den Steilwänden warten hier gleich zwei Wracks: die Aida, ein ägyptisches Versorgungsschiff, das 1957 beim Anlegen an der Insel sank, und die Numidia, ein britischer Frachter, der schon 1901 auf das Riff lief. Beide sind über die Jahrzehnte so dicht mit Korallen bewachsen, dass sie fast mit dem Riff verschmelzen. Besonders der Blick aus dem Inneren der Wracks nach oben, wo sich die Silhouetten der Taucher gegen das helle Blau abzeichnen, ist ein Bild für die Ewigkeit.


Der neugierigste Hai der Woche
Und dann war da natürlich noch er. Schon während der Tauchgänge an Big Brother hatte sich immer wieder ein Longimanus blicken lassen, ein Weißspitzen-Hochseehai mit seinen markanten, weiß gezeichneten Flossen und einer kleinen Eskorte aus Pilotfischen. Meist hielt er respektvoll Abstand, tauchte auf, zog weiter und verschwand wieder im Blau.

Beim letzten Tauchgang an den Brothers hatten wir ihn schon abgeschrieben. Doch als die meisten von uns bereits im Schlauchboot saßen, kam er zurück und begann, in aller Ruhe um das Boot zu kreisen. Die beiden, die noch im Wasser waren, hatten plötzlich die beste Aussicht der ganzen Woche. Neugierig, elegant und vollkommen gelassen: Genau so stellt man sich die Begegnung mit einem Hochseehai vor, und genau so hat sie sich angefühlt.
Zwei Sterne unter der Sonne
Für einen von uns hatte die Reise noch eine ganz besondere Bedeutung. Er nutzte die Woche, um die letzten Pflichttauchgänge für seinen CMAS-Zwei-Stern zu absolvieren, und bekam das Brevet anschließend direkt an Bord von unserem mitgereisten Tauchlehrer überreicht. Ein schöneres Klassenzimmer als das Rote Meer kann man sich für diesen Schritt wohl kaum wünschen, und natürlich wurde darauf gebührend angestoßen.

Ausklang an der Giftun
Den letzten Tauchtag verbrachten wir an der Giftun vor Hurghada, am Erg Somaya, am Hauptriff und an der Police Station. Dort wartete zum Abschluss noch eine kleine Besonderheit: ein Langnasen-Büschelbarsch, der mit seinem rot karierten Muster aussieht, als hätte ihn jemand mit dem Lineal gezeichnet. Noch einmal entspannt über Sandflächen und Korallenblöcke gleiten, noch einmal einen Blaupunktrochen unter einem Überhang entdecken und dann ein letztes Mal die Ausrüstung abspülen. Abends wurden die Logbücher gefüllt, die Fotos verglichen und die Geschichten erzählt, die bei jeder Wiederholung ein kleines bisschen spektakulärer wurden. Der Longimanus kam dabei übrigens jedes Mal ein Stück näher ans Boot.

Am Ende standen 17 Tauchgänge in einer Woche, zwei Wracktauchgänge an der Thistlegorm, Haie in drei verschiedenen Arten und eine Gruppe, die nach diesen Tagen noch ein ganzes Stück enger zusammengewachsen ist. Genau dafür fahren wir gemeinsam weg.

Und beim nächsten Mal bist du dabei?
Tauchreisen wie diese gehören für uns genauso zum Vereinsleben wie das Training im Hallenbad und die Wochenenden an den Seen der Region. Für Tauchplätze wie die Brothers mit Strömung und Blauwasser braucht man allerdings etwas Erfahrung, und die sammelst du bei uns Schritt für Schritt, gemeinsam mit Leuten, mit denen du später auch auf Reisen gehst.
Wenn du schon einen Tauchschein hast und eine Gruppe suchst, mit der du regelmäßig tauchen kannst, bist du bei uns genau richtig. Und wenn du erst noch tauchen lernen willst, startet unsere Tauchausbildung nach VDST/CMAS jedes Jahr im Oktober. Dreimal kannst du kostenlos mittrainieren, bevor du dich entscheidest. Melde dich einfach über unser Kontaktformular, viele Fragen beantworten wir auch schon in unseren FAQ.
Wir sehen uns unter Wasser!
Die Fotos in diesem Beitrag stammen von Mitgliedern unserer Reisegruppe.
